„Bin gleich da.“ – Das unterschätzte Risiko am Steuer

Studie des Eye Tracking-Labors der DHBW Karlsruhe zeigt die Gefährlichkeit der Handynutzung beim Autofahren.

Ablenkungen spielen in der Unfallstatistik sogar eine größere Rolle als beispielsweise Alkohol im Straßenverkehr. Das belegen Studien der Allianz-Versicherung. Gerade junge Erwachsene nehmen das Handyverbot am Steuer oft nicht so genau.
Das kann aber fatale Folgen haben, wie eine aktuelle Untersuchung der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Karlsruhe aufzeigt.

Eine Situation, die vielen bekannt vorkommen dürfte: Ein Termin steht an, die Zeit drängt, aber weit und breit ist kein Parkplatz in Sicht. Es könnte also sinnvoll erscheinen, kurz Bescheid zu geben, dass man sich bereits in der Nähe aufhält. 

Doch angenommen, man würde nun zum Smartphone greifen und noch während des Fahrens eine kurze Textnachricht verschicken. Wie groß wäre dann die Ablenkung und das damit verbundene Unfallrisiko tatsächlich? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, wurde im Eye Tracking-Labor der DHBW Karlsruhe eine empirische Untersuchung mit 24 Probanden (18 - 26 Jahre, je zwölf Frauen und Männer) durchgeführt. Diese bekamen folgende Aufgabe zugewiesen: Erstellen Sie während einer simulierten Autofahrt bei 50 km/h eine WhatsApp-Nachricht mit dem Text ”Bin gleich da.” 

Das Ergebnis ist alarmierend. Die Zeitspanne vom Griff zum Handy bis zum Verschicken der erstellten Kurznachricht betrug durchschnittlich 14,6 Sekunden, während Frauen ca. zwei Sekunden weniger Zeit benötigten als ihre männliche Vergleichsgruppe. Dabei legten die Probanden eine Distanz von 203 Metern zurück und konnten die Verkehrssituation lediglich durch flüchtige, oft unkoordinierte Kontrollblicke erfassen.

„Wahnsinn, das ist dann ja echt wie ein Blindflug!“, zeigte sich eine Probandin überrascht. Selbst bei guten Straßenverhältnissen würde mit dieser Geschwindigkeit der Anhalteweg (Reaktionsweg plus Bremsweg) bei einer Vollbremsung noch mehr als 25 Meter betragen. Das könnte in einer Gefahrensituation allerdings schon zu lang sein.

Es besteht also durchaus Grund zur gewissenhaften Selbstreflexion:
Zwar verzichtet immerhin fast die Hälfte der jungen Probanden völlig auf das Telefonieren ohne Freisprechanlage, 92% lesen aber eingehende Kurznachrichten am Steuer. Ein noch gößeres Risiko gehen beachtliche 87% der Teilnehmer ein. Sie verfassen Textnachrichten auch mal während des Autofahrens.

Text: RA/DI, Foto: DHBW KA