Akademische Jahresfeier 2019

40 Jahre Duales Studium an der DHBW Karlsruhe, 10 Jahre Duale Hochschule Baden-Württemberg

Blick zurück und in die Zukunft

Unter dem Motto „Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft“ blickten Mitarbeiter und Gäste der Hochschule am 6. November an der Akademische Jahresfeier stolz auf vier Jahrzehnte erfolgreiche Lehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Karlsruhe zurück.
Nach der Begrüßung gab Rektor Prof. Dr. Stephan Schenkel einen kurzen Rückblick und bedankte sich bei allen, die beim Aufbau der heutigen Hochschule mitgewirkt haben.
Als die Berufsakademie Karlsruhe 1979 mit den Studiengängen Maschinenbau und Industrie startete, bot sie zusammen mit 32 Partnerunternehmen für 48 Abiturienten die Möglichkeit, ein duales Studium in der TechnologieRegion zu absolvieren. Heute sind an der DHBW Karlsruhe über 3200 Studierende eingeschrieben. Sie können zwischen 19 Bachelorstudien-gängen in den Fakultäten Wirtschaft und Technik, sowie im Studienbereich Gesundheit wählen.
„Die Studienakademie Karlsruhe kann auf eine sehr erfolgreiche Entwicklung zurückblicken und zeichnet sich durch ein vielfältiges Angebot an Studiengängen aus. Besonders mit dem Aufbau neuer Kompetenzbereiche und der Einführung innovativer Studiengänge im Informatik- und Gesundheitsbereich hat die DHBW Karlsruhe immer wieder wichtige Impulse in diesen sehr zukunftsträchtigen Themenfeldern gesetzt", betonte Professor Peter Väterlein, designierter Vizepräsident der DHBW, in seinem Grußwort.
Etwa 200 Gratulanten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft hatten sich versammelt, um gemeinsam zu feiern. Ein außergewöhnliches Programm mit Höhepunkten aus vier Jahrzehnten wurde in Form von Filmen und Erzählungen von Zeitzeugen präsentiert. „Ich kann mich noch erinnern, was für eine Herausforderung es war, geeignete Duale Partner zu akquirieren, damals gab es ja noch kein E-Mail.“, berichtete Professor Karsten Sesemann, der seit 1980 Vorlesungen an der DHBW Karlsruhe (damals Berufsakademie) hält. Er hat 1983 den Studiengang Datenverarbeitung aufgebaut. „Jeder redet von Digitalisierung, wir machen das schon seit über 30 Jahren.“, führte er in seiner Zeitreise aus.
„Dank der engen Vernetzung mit den Unternehmen aus der Region kann die DHBW auch schnell auf neue Anforderungen aus der Wirtschaft und dem Arbeitsmarkt reagieren und ihr Studienangebot entsprechend ausrichten und erweitern, wie z.B. mit den neuen Studiengängen Digital Business Management und BWL-Deutsch-Französisches Management – gerade in der Grenzregion zu Frankreich ein spezifisch auf die deutsch-französischen Bedürfnisse zugeschnittenes Studienangebot.“, nahm Professor Edgar Bohn, Vorsitzender des Hochschulrats das Thema Digitalisierung auf. Und weiter: “Damit fördert die DHBW Karlsruhe auch die interkulturelle Kompetenz der Studierenden. Außerdem gibt es in fast allen Studiengängen die Möglichkeit einen Teil des Studiums im Ausland zu verbringen. Aktuell unterhält die DHBW etwa 60 Verbindungen ins Ausland.“, ergänzte er stolz.
„Eine internationale Ausrichtung einer Hochschule ist ein wichtiges Auswahlkriterium zukünftiger Studierender zum Beispiel der Kohorte der Expetitiven. Diese Gruppe Jugendlicher ist experimentierfreudig, sucht nach neuen Wegen und Herausforderungen, ohne schulische und soziale Verpflichtungen zu vernachlässigen.“, stellte Key Speaker Peter Martin Thomas, Leiter der SINUS:akademie in seinem Festvortrag „Wie ticken die Studierenden von morgen?“ die Anforderungen an Hochschulen und Arbeitgeber vor. Das SINUS-Institut erforscht seit vielen Jahren jugendliche Lebenswelten. Daraus hervorgegangen ist unter anderem die viel beachtete Reihe „Wie ticken Jugendliche?“. Sie beschreibt  Wertvorstellungen von 14- bis 17-Jähringen in Deutschland sowie ihre Einstellungen zu Themen wie digitale Medien, Mobilität, Nachhaltigkeit, Liebe und Partnerschaft, Glaube, Nation und nationale Identität sowie Flucht und Asyl. In zahlreichen Zitaten und Selbstzeugnissen kommen die Jugendlichen dabei zu Wort. Zusätzliche Aussagekraft erhält die Studie, wenn man die Teilnehmer bestimmten Gruppen zuordnet. Die Jugendlichen können anhand der ausgefüllten Fragebögen in sieben  Kategorien eingeteilt werden, sogenannten Sinus-Milieus. Peter Martin Thomas stellte drei davon näher vor, die Konservativ-Bürgerlichen, die Adaptiv-Pragmatischen und die Expeditiven.
Gemeinsam ist ihnen, dass sie in einer Zeit der ständigen Veränderungen in der Gesellschaft aufwachsen, das Leben ist schneller geworden, die Möglichkeiten haben sich vervielfältigt, sie gehören zur ersten Generation der Digital Natives. Das führt zu einem Konglomerat an Gefühlen zwischen Faszination, Überforderung und Verunsicherung. Freundschaften und Familie werden wieder wichtiger. Auch soziales Engagement im Sinne von Miteinandersein, Helfen und Gestalten gehört dazu, dabei geht es aber auch um ganz pragmatische Dinge.
Wenn es um das Thema Karriere geht, stehen Themen wie Weiterbildung – welche Karriere- und Aufstiegschancen bestehen in dem Unternehmen, Arbeitsklima, Vergütung, aber auch das Image des Unternehmens vorn. Die „Adaptiv Pragmatischen“ wollen ihre Karriere im Mittelstand oder Großkonzern starten, dabei spielt die die Work-Life Balance eine große Rolle. Ein Job mit Perspektive und Vereinbarkeit mit Freizeit und Familie.
Aus den unterschiedlichen Lebenswelten, Merkmalen und Wünschen der verschiedenen Gruppen von Jugendlichen ergeben sich Folgen für die Bildungseinrichtungen und den Arbeitsmarkt. „Diese neue, nachwachsende Generation fordert uns alle heraus“, ist das Fazit des Trendforschers.

Zahlreiche Gäste nutzten nach dem spannenden Vortrag und den musikalischen Einlagen des Sinfonieorchesters an der DHBW Karlsruhe die Möglichkeit an den wissenschaftlichen Postern, die im Casino von den Professoren/innen präsentiert wurden, auf Entdeckungsreise zu gehen und einen Blick in die Zukunft zu werfen.

Eine Übersicht über die Entwicklung der  Dualen Hochschule Baden-Württemberg Karlsruhe in den vergangenen 40 Jahren und über die Perspektiven der Bildungseinrichtung gibt auch die Sonderbeilgage der Badischen Neuesten Nachrichten, die hier als Online-Blätterbroschüre zu lesen ist.

Text: DI, Foto: DHBW KA//DI