BankenDialog 2019

Digitalisierung: Gefahren und Chancen für die Bankenaufsicht

„Die letzte nützliche Innovation durch Banken war der Geldautomat.“ Mit diesem Zitat von Paul Volcker, dem ehemaligen Vorsitzenden des Federal Reserve Boards der USA, startete Raimund Röseler, Exekutivdirektor Bankenaufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am 21. November im Audimax an der DHBW Karlsruhe und legte dabei den Finger in die Wunde: Er sprach im BankenDialog Karlsruhe über die Herausforderungen der Digitalisierung, denen Banken und Bankenaufsicht sich stellen müssen.
Während Zahlungsverkehr früher nur langweilig war und Geld kostete, ist er heute sexy. Seit September ist die Payments Service Directive II in Deutschland umgesetzt, die den Wettbewerb in diesem Bereich erhöhen soll. Die BaFin hat mittlerweile über 50 Zahlungsinstitute zugelassen, die mit klassischen Banken in Wettbewerb treten.
Vorteil manch anderer Akteure: Sie haben es verstanden, Erträge aus der Nutzung von Daten zu generieren, mit denen sie andere Finanzdienstleistungen quersubventionieren können. Banken müssen lernen, dies ebenfalls zu tun. Und im Unterschied zu den neuen Konkurrenten haben sie nicht nur Daten, sondern auch das Vertrauen ihrer Kunden.
„Die Geschäftsmodelle von Banken werden daher alle auf den Prüfstand gestellt. Sie können sich zu Plattformen entwickeln, die auch fremde, aber für den Kunden nützliche Produkte anbieten. Oder sie werden Produktanbieter für andere Plattformen, oder sie verschwinden vom Markt.“, so Raimund Röseler.
Und wie verändert die Digitalisierung die Bankenaufsicht?
Raimund Röseler ging auf Veränderungen im Anforderungsprofil von Bankenvorständen ein, das die BaFin fordert: Während Krediterfahrung früher unabdingbar war, erleichtert der Wegfall dieser Anforderung für IT Vorstände nun die Akquise entsprechend geeigneter Kandidaten mit ausgeprägtem IT Profil.
Eine Aufgabe für die Aufsicht ist es auch, mit der zunehmenden Bedeutung von Outsourcing umzugehen. Und die Aufsicht über das Risikomanagement muss beispielsweise bei der Zulassung von internen Modellen mit der Weiterentwicklung der zugrundeliegenden Algorithmen umgehen.
Banken stellen ein logisches Ziel für Cyberangriffe dar. In den vergangenen zwei Jahren wurden 500 IT-Sicherheitsvorfälle an die BaFin gemeldet. Meist handelt es sich hierbei allerdings um hausinterne Schwächen. Daher wurden mit den Bankaufsichtlichen Anforderungen an die IT (BAIT) im vergangenen Jahr neue Anforderungen formuliert, die mittlerweile als Blaupause in Europa übernommen werden.
Eine große Aufgabe stellt sich die Bankenaufsicht auch im Meldewesen. Während die European Banking Authority EBA den Auftrag hat zu prüfen, wie 10% der Daten im Reporting eingespart werden können, führt die BaFin aktuell eine Machbarkeitsstudie mit einigen Instituten durch, ob und wie Daten von der Bankenaufsicht selbst von den Banken gezogen werden könnten.
Der BankenDialog Karlsruhe ist eine Plattform zur Förderung des Gedankenaustauschs innerhalb der Finanzierungscommunity der TechnologieRegion Karlsruhe. Er wird veranstaltet vom Studiengang BWL-Bank unter der Leitung von Prof. Dr. Christiane Weiland. Unterstützt wird der BankenDialog durch die Deutsche Bundesbank und die L-Bank.

Weitere Informationen: www.bankendialog-karlsruhe.de

Informationen zum Studiengang BWL-Bank finden Sie hier:
https://www.karlsruhe.dhbw.de/bk/studieninhalte-profil.html

Text: WL, Foto: DHBW KA