Mikroplastik - Gefahr für Mensch und Umwelt

Professor Martin Haas warnt in seinem Vortrag innerhalb der Reihe Studium generale vor den Folgen der Umweltverschmutzung durch Plastik.

Professor Martin Haas beschreibt zunächst aus ingenieurwissenschaftlicher Sicht die Historie, Nutzung und Entwicklung von Werkstoffen wie Holz, Stein, Keramik, Metall und Kunststoff.

Seiner Meinung nach haben alle Werkstoffe aufgrund ihrer besonderen physikalischen, chemischen, fertigungstechnischen und ökologischen Eigenschaften ihre Vor- und Nachteile. Stahl kann z.B. als Skalpell Leben retten oder als Gewehrkugel Leben auslöschen.

Er betrachtet jedoch die Verwendung von primärem Mikroplastik in Konsumgütern sehr kritisch.

Primäres Mikroplastik ist als Werkstoff inzwischen überall in der Umwelt zu finden. Es wird zum Beispiel in Konsumgütern zur Veredelung von Kleidung oder als Peeling in Kosmetik- und Körperpflegeprodukten eingesetzt. Doch die weitreichenden Folgen von Mikroplastik für die Umwelt sind vielen nicht bekannt.

Professor Martin Haas, Leiter der Marktorientierte Produktentwicklung (MPE) an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Karlsruhe warnt eindringlich vor den Folgen der Anreicherung des Mikro- und Nanoplastiks in den Körpern von Tier und Mensch. „Nicht nur das primäre Mikroplastik mit einer Größe zwischen 0,5mm und 1 Mikrometer vergiftet die Umwelt. Die großen Plastikmüllteile, die zurzeit in unseren Weltmeeren herumschwimmen, zerfallen zu sekundärem Mikroplastik und nach weiteren Jahren in Nanoplastik. Diese sind um ein Vielfaches kleiner als Mikroplastik, vergleichbar mit der Größe eines Virus.

Die festen und unlösbaren Polymere gelangen über die lokalen Abwässer in die Kläranlagen. Diese filtern die entsprechenden Stoffe nur bedingt heraus; ein Teil wird im Klärschlamm zurückgehalten, der Rest gelangt in Meere und Flüsse. Mikro- und Nanoplastik wird von Meeresorganismen gefressen und gelangt so in die Nahrungskette Mikroplastik wird seit  2009 in Seehunden, Fischen, Muscheln und kleineren Organismen nachgewiesen und 2018 auch im Menschen. Die kleinen Plastikteilchen verstopfen Organe wie Leber, Niere, Lunge, Herz und Darm.

Eine Aufnahme von Mikroplastik in den menschlichen Körper kann laut aktueller wissenschaftlicher Studien zu Gewebeveränderungen, Vergiftungserscheinungen, Krebs, inneren Verletzungen und zum Tod führen.

Nanoplastik ist noch gefährlicher, denn es verändert das Verhalten der semipermeablen Membran von Zellen. Zum Beispiel wird durch Nanoplastik zwischen dem prä- und postsynaptischen Spalt von Nervenzellen die Weitergabe von elektrischen Impulsen verzerrt. Darüber hinaus kann Nanoplastik innerhalb der Zelle Erbinformationen umcodieren und Mutationen in Körperzellen oder Keimzellen auslösen.

Welche weiterreichenden Folgen die Aufnahme von Mikroplastik für Menschen und Tiere hat, ist noch längst nicht ausreichend untersucht. Bekannt ist, dass die Teilchen oft gesundheitsschädliche Zusätze wie Bisphenol A und Weichmacher enthalten, die für ihre hormonähnliche Wirkung bekannt sind. „Ganze Fischarten sterben aus, da durch den hormonähnliche Einfluss der Weichmacher sich die männlichen Geschlechtsorgane nicht entwickeln und die Weibchen nicht mehr befruchtet werden“, konstatiert Professor Haas.

Seine These lautet am Ende des Vortrages: „Die Lebenserwartung der Menschen ab Geburtsjahr 1995 wird stärker durch Mikroplastik als durch die Klimaproblematik verkürzt!“

Prof. Haas nennt folgende Maßnahmen zur Reduktion von Mikroplastik in der Umwelt: „Konsumverzicht, längere Nutzung von Kunststoffprodukten, Müllvermeidung, weltweite Durchsetzung der Müllentsorgung nach deutschem oder schweizerischem Vorbild, Nutzung von Kunststoff-Alternativen, weltweite Erhöhung des bakteriellen Abbaus von Mikro- und Nanoplastik, Politische Aktivierung des Themas.“

Als eine erste kleine und praktische Lösung empfiehlt Prof. Haas die Filterung von Mikroplastik hinter der Haushaltswaschmaschine. Diese pragmatische Lösung wurde als Prototyp im Rahmen der „Marktorientierten Produktentwicklung“ von dem studentischen Team „CLARITY“ umgesetzt und am 23. Mai 2019 im Audimax der DHBW präsentiert.

Anlässlich „10 Jahre DHBW“ und „40 Jahre Duales Studium an der DHBW Karlsruhe“ wird in diesem Jahr in der Veranstaltungsreihe Studium generale die DHBW Karlsruhe in den Mittelpunkt gestellt. Die Vorträge zu unterschiedlichen Themen werden von Professorinnen und Professoren der Studienakademie Karlsruhe gehalten.

Den nächsten Vortrag in der Reihe hält Dr.-Ing. Gerald Oberschmidt, Professor Fakultät Technik, DHBW Karlsruhe am Mittwoch, den 26. Juni um 17 Uhr im Audimax. Er wird unter dem Titel: „Mathematik in der Hosentasche“ vorstellen: „Was Handy und MP3-Player so rechnen.“

Text: DI/HA, Foto: DHBW KA//DI