Vom Black Friday zum "Black Fraud Day"
Sicher durch die Rabattwochen, Wissenschaftler der DHBW Karlsruhe gibt Tipps
Black Friday, Cyber Monday, Singles Day: Die große Black Week ist für viele ein Höhepunkt des Jahres. Parallel dazu warnen Fachleute inzwischen vor einem "Black Fraud Day". Betrüger nutzen Kauflaune und Zeitdruck, um mit täuschend echten Fake Shops, Phishing Mails und überzogenen Versprechen Kasse zu machen. Moderne Technik und Künstliche Intelligenz (KI) sorgen dafür, dass betrügerische Angebote professioneller wirken als je zuvor.
Jan Michael Rasimus, Leiter des Eye Tracking Labors an der DHBW Karlsruhe, beobachtet diese Entwicklung seit Jahren. Nach seiner Einschätzung schaltet das Gehirn bei der Schnäppchenjagd in eine Art Belohnungsmodus. Der Blick richtet sich stark auf Rabatte und vermeintliche Chancen, Warnsignale werden leichter ausgeblendet. Besonders riskant wird es, wenn hohe Rabatte, Zeitdruck und ein emotionales Versprechen zusammenkommen. Genau darauf zielen viele betrügerische Kampagnen. Doch wie lässt sich das Risiko in der Black Week reduzieren?
Warum Black Friday zur Falle werden kann
Rasimus beschreibt einen "psychologischen Tunnelblick": Wer sich auf einen außergewöhnlichen Deal konzentriert, übersieht schnell Details, die nicht passen, etwa eine seltsame Webadresse oder fehlende Kontaktdaten. Professionell gestaltete Webseiten, Gütesiegel und inzwischen auch automatisch erzeugte Produktrezensionen suggerieren oft Vertrauenswürdigkeit. Das spontane Bauchgefühl, das früher vor unseriösen Angeboten warnte, wird weniger verlässlich. Umso wichtiger ist es, die eigene Wahrnehmung bewusst zu entschleunigen. Gerade in Momenten, in denen der Kauf nur noch einen Klick entfernt ist, sollte die Aufmerksamkeit besonders hoch sein, rät der Neuromarketing-Experte.
Fünf Tipps für mehr Sicherheit in der Black Week
1. Zeitdruck reduzieren
Countdowns, blinkende Banner und Formulierungen wie "nur heute" oder "nur noch wenige verfügbar" erzeugen künstliche Dringlichkeit. Rasimus weist darauf hin, dass schon eine kurze Denkpause hilft. Wer den Preis und das Angebot nochmal überprüft und den Shop verifiziert, reduziert das Risiko deutlich.
2. Shops wie unbekannte Personen prüfen
Seriöse Anbieter verfügen über ein vollständiges Impressum, eine erreichbare Anschrift und nachvollziehbare Kontaktdaten. Eine kurze Recherche nach dem Shop-Namen in Verbindung mit Begriffen wie "Erfahrungen" oder "Betrug" gibt oft ein klareres Bild. Zusätzlich bietet der Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale eine praktische Hilfe, erreichbar unter: https://www.verbraucherzentrale.de/fakeshopfinder.
3. Nicht von der Optik täuschen lassen
Ein modernes Layout oder ein stilvolles Logo lassen sich heute leicht erstellen. Entscheidender als die Optik ist die Adresse in der Browserzeile. Leicht vertauschte Buchstaben, ungewohnte Domain Endungen oder sehr lange und kryptische Adressen sind ein Warnsignal.
4. Sicher zahlen, Vorkasse vermeiden
Wenn nur Vorkasse oder ungewöhnliche Zahlungswege angeboten werden, ist Vorsicht angebracht. Rasimus empfiehlt Zahlungsmethoden mit Rückbuchungsmöglichkeit, etwa Kreditkarte oder etablierte Bezahldienste mit Käuferschutz. Seriöse Händler haben kein Problem damit, wenn Käufer auf sichere Zahlweisen bestehen.
5. Im Ernstfall nicht schweigen
Kommt es trotz aller Vorsicht zum Betrugsfall, sollte schnell gehandelt werden. Zahlungsdienstleister oder Banken können häufig noch eingreifen. Wichtige Belege wie Bestellbestätigung, Produktseite und Kommunikation sollten gesichert werden. Rasimus betont, dass Scham fehl am Platz ist. Offene Kommunikation trägt dazu bei, andere vor ähnlichen Maschen zu schützen.
Fazit
Damit Black Friday nicht zum Black Fraud Day wird, bleibt auch in den heißen Phasen der Schnäppchenjagd ein kühler Kopf der wichtigste Begleiter. Ein Angebot, das zu attraktiv erscheint, um wahr zu sein, ist möglicherweise genau das. Nichts spricht gegen eine gut geplante Schnäppchenjagd während der Rabatt-Wochen. Doch ein wachsamer Blick hilft am Ende, um die Beute auch sicher nach Hause zu holen.
Text und Bild: DHBW KA//RM