Was macht eigentlich Aneta Heinz? Studium BWL-Industrie, DHBW Karlsruhe, 2005–2008 - Alumni berichten!
Vom dualen Studium in die Industrie bis zur akademischen Mitarbeit und Promotion.
Wo sind Sie gerade tätig?
Hier an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Karlsruhe. Ich bin seit 2020 wieder zurück an der DHBW – wobei ich sagen muss zurück hier im Haus, denn damals war es noch die Berufsakademie (BA).
Was ist Ihre Position?
Ich bin akademische Mitarbeiterin im Studiengang Angewandte Gesundheits- und Pflegewissenschaften.
An welchen Projekten arbeiten Sie gerade?
Das wohl größte Projekt, an dem ich aktuell arbeite, ist meine Dissertation - „Möglichkeiten zur Verbesserung der Theorie-Praxis-Verzahnung mit Hilfe digitaler Anwendungen“- die hoffentlich zeitnah zum Ende kommen wird. In meiner Forschung habe ich an der DHBW Karlsruhe mit unterschiedlichen Anspruchsgruppen und in den verschiedenen Studienrichtungen untersucht wie man die Verzahnung von Theorie und Praxis verbessern kann – auch unter Gesichtspunkten der Digitalisierung. Ich bin gerade dabei meine Kapitel zu finalisieren und hoffe noch dieses Jahr die Veröffentlichung der Dissertation bekannt geben zu können.
In meiner Arbeit als akademische Mitarbeiterin unterstütze ich in der Studienorganisation, Lehre und Forschung und versuche besonders die Theorie-Praxis-Verzahnung und Möglichkeiten zur Förderung der Transferkompetenz bei Studierenden einzubringen. Zum Beispiel versuchen wir das E-Portfolio, das im letzten Projekt ein großes Thema für mich war, mit meinen Erkenntnissen aus der Doktorarbeit zu koppeln und im Studiengang mit Leben zu füllen.
Welchen Herausforderungen stehen Sie gegenüber?
Eine große Herausforderung ist aus meiner Sicht die digitale Transformation, bei der sich durch die dynamische Entwicklung die Erkenntnisse zum Teil überschlagen und Informationen nur eine geringe Halbwertszeit haben. Zum einen macht es das deutlich schwerer wirklich „aktuell“ zu sein und zum anderen ändert sie unsere Gesellschaft und unsere Art zu denken, zu lernen und zu kommunizieren immer mehr.
Das ist aber natürlich nicht der einzige herausfordernde Bereich. Insgesamt wird es immer wichtiger werden die Werte von Wissenschaft und Forschung wirklich mit Leben zu füllen und Bildung zu nutzen, um die Gesellschaft auf die vielen Herausforderungen der Zeit so gut es geht vorzubereiten.
Worauf sind Sie besonders stolz?
Zunächst mal: wenn ich Reflexionen von Studierenden lesen darf, erfüllt mich das immer wieder. Das sind die Momente, in denen mir klar wird, dass Bildung – das muss nicht zwangsläufig Akademisierung heißen – der Schlüssel ist. Immer dann, wenn ich das Gefühl habe, dass (nicht nur aber eben auch) durch die gewählten Methoden in der Lehre der Lehrstoff nicht nur verinnerlicht, sondern ehrlich, reflexiv und praxisnah durchdrungen wurde, weiß ich warum ich dazu promovieren wollte. Das macht aus meiner Sicht einen Riesenunterschied und ich kriege immer ein bisschen Gänsehaut, wenn ich Texte lese, die das so schön verdeutlichen.
Und dann bin ich schon auch stolz darauf, meine Doktorarbeit trotz mancher Widrigkeiten und Umstände bald abschließen zu können. Insbesondere fand ich es herausfordernd, Familie mit zwei heute zehn und acht Jahre alten Söhnen, Beruf und Promotion miteinander zu vereinbaren.
Warum haben Sie damals die DHBW Karlsruhe gewählt?
Ich habe eigentlich gar nicht die DHBW oder die Berufsakademie gewählt – ich kannte ehrlich gesagt das ganze Konzept Duale Hochschule überhaupt nicht. Ich komme aus dem Norden und da war das Angebot vor nunmehr über 20 Jahren noch deutlich weniger bekannt. Ich wusste nicht, ob ich nach dem Abitur studieren oder eine Ausbildung machen sollte und da fiel mir eine Anzeige meines Dualen Partners, der Daimler-Chrysler AG, Wörth, (heute Daimler Truck AG) in der Abiturzeitschrift „5 vor 12“ in die Hände. Ich habe mich auf gut Glück einfach so hier im Süden beworben und bekam eine der wenigen Stellen. Ehrlich gesagt habe ich es einfach auf mich zukommen lassen und dachte für mich, dass es eben so ein bisschen was zwischen Ausbildung und Studium ist – gut für jemanden, der sich nicht entscheiden kann.
Was blieb Ihnen aus Ihrer Studienzeit am deutlichsten in Erinnerung?
Was mir aus meiner Studienzeit besonders in Erinnerung geblieben ist, ist tatsächlich unser damaliger Studiengangsleiter Prof. Dr. Martin Detzel. Er hat den Studiengang BWL-Industrie mit großer Kompetenz und Ruhe geleitet. Obwohl die Kurse jeweils rund 30 Studierende umfassten, war ich immer beeindruckt davon, dass er jede und jeden Einzelne*n wahrgenommen und wertgeschätzt hat.
Unvergessen bleibt meine Wohnung im Studentenwohnheim gegenüber vom alten Flugplatz, das es jetzt leider nicht mehr gibt. Ich hatte eine der wenigen Dachgeschosswohnungen mit einer Dachterrasse und es sehr genossen dort zu leben, in den Theoriephasen über den alten Flugplatz zu fahren und direkt an der Hochschule zu sein.
Sehr dankbar bin ich auch für alles, was ich dank meines Dualen Partners erleben konnte: ein Auslandssemester in Südafrika, viele interessante Einsätze, Weiterbildungen und tolle Menschen. Ich hatte auch glücklicherweise einen Ausbilder, der mich gefördert und gefordert hat und mich dahin entwickelt hat, wo ich glücklich geworden bin – im Bildungsbereich.
Hätten Sie rückblickend manche Dinge gerne anders gemacht?
Die Frage finde ich tatsächlich nicht so leicht, denn ich bin sehr empfänglich für „Was wäre wenn“-Hypothesen. Klar denke ich mir heute, dass ich wohl rückblickend eigentlich direkt etwas bildungsnahes oder zumindest im Bereich der Geisteswissenschaften hätte studieren sollen. Wer weiß, wo ich dann heute wäre. Aber ich bin auch dankbar für den nicht ganz so linearen Weg, bei dem ich viel Unterstützung erfahren durfte und der auch zeigt: viele Wege führen zum Ziel – es muss nicht immer der naheliegendste sein.
Aneta Heinz – Werdegang
Geboren am 23.07.1985 in Ratibor
2005 – 2008 Studium BWL – Industrie an der DHBW Karlsruhe, Dualer Partner: Daimler-Chrysler AG, Wörth
2008 – 2010 Daimler AG, Vertriebssachbearbeitung
2010 – 2012 Daimler AG, Personalcontrollerin
2012 – 2016 Daimler AG, Ausbilderin für kfm. Ausbildungsberufe
2017 – 2020 Daimler AG, Aus- und Weiterbildung/ Kompetenzmanagement
2020 bis heute DHBW Karlsruhe, Innovationsprogramm Forschung/ EdCoN/ Akademische Mitarbeiterin Studienbereich Gesundheit
Die Promotion von Aneta Heinz erfolgt im Rahmen des Innovationsprogramms Forschung (IPF) der DHBW, das kooperative Promotionen in Zusammenarbeit mit Hochschulen mit Promotionsrecht fördert. Damit trägt das Programm zum Ausbau der Forschungsaktivitäten und zur wissenschaftlichen Qualifizierung von Mitarbeitenden an der DHBW bei.
Weitere Informationen zu kooperativen Promotionen an der DHBW
Text: HEZ, DI; Foto: DHBW KA//DI